Planen für Menschen mit Demenz


Krankheitsbild Demenz

Mit einem Anteil von 80 – 90% an den Demenzerkrankungen sind die primären (hirnorganischen) Demenzen wie z.B. Alzheimer-Demenz am häufigsten vertreten. Diese Erkrankungen zeichnen sich durch einen schleichend nachlassenden und unwiederbringlichen Verlust der Hirnfunktionen aus.

Während im frühen Stadium gelegentliche Vergesslichkeit, Wortfindungsprobleme und Orientierungsschwierigkeiten im Vordergrund stehen, treten beim fortgeschrittenen Stadium Probleme bei der zeitlichen und räumlichen Orientierung sowie Schwierigkeiten bei den Aufgaben des Alltags auf und führen im späten Stadium zu gravierenden Einschränkungen in allen Bereichen. Bei einer Demenz im Endstadium ist ein Betroffener vollständig auf die Hilfe seiner Umgebung angewiesen.

Die Entwicklung der Erkrankung hat oftmals eine Überforderung der Angehörigen oder Pflegenden zur Folge und ist nicht selten Ursache für den Umzug von Menschen in ein Pflegeheim. Der Anteil der Bewohner mit demenziellen Erkrankungen steigt kontinuierlich, aktuell leiden in Deutschland ca. 50% der Heimbewohner an Demenz. Die herkömmlichen Heimstrukturen führen bei den Betroffenen häufig zu Orientierungsproblemen und Verhaltensauffälligkeiten.

 

Was können Architektur und Innenraumgestaltung leisten?

Neben der Vielfalt der Wohnformen vom selbständigem Wohnen in den eigenen „Vier Wänden“ mit Betreuung durch Angehörige, über professionelle ambulante Betreuung zum Wohnen in teilstationären und stationären Pflegeeinrichtungen kann Architektur Einfluss auf folgende Symptome der Demenz nehmen:

–  Störung der Raumwahrnehmung
– Orientierungsverlust
– Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus
– Unruhe und Bewegungsdrang

Gerade in größeren Einrichtungen es wichtig die negativen Auswirkungen einer institutionellen Unterbringung durch ein alltagsnahes Milieu zu mindern. Hier ist die Bildung kleinerer Wohngruppen sinnvoll. Bei der Umgestaltung sind zur Unterstützung der räumlichen Wahrnehmung überschaubare Grundrisse und kurze Wege ebenso notwendig wie identifikationsstiftende Maßnahmen, deutliche Piktogramme und der Einsatz von Licht, Material und Farbe.

Tagesstrukturierung und Orientierung werden durch die Wahrnehmung der Außenwelt und Identifikation mit dem eigenen Wohnumfeld erleichtert. Baulich umgesetzt wird dieses durch den Sichtkontakt nach außen, idealerweise ergänzt durch einen direkten Zugang zu Balkon oder Terrasse. Die Jahreszeiten bleiben erlebbar. Tageslicht und tageslichtsimulierende Beleuchtungskonzepte unterstützen den natürlichen Biorhythmus.

Auch der milieutherapeutische Ansatz, der die Anpassung der materiellen und sozialen Umwelt in der Geriatrie bezeichnet, kann durch bauliche Maßnahmen unterstützt werden. Die Einbindung der Bewohner in die häusliche Normalität erfolgt über tagesstrukturierende Tätigkeiten wie z.B. die Mahlzeiten. Diese werden gemeinsame innerhalb der einzelnen Wohngruppen zubereitet und regen unter anderem die olfaktorischen Sinne an. Architektur muss hier die Rahmenbedingungen wie integrierte Küchen mit ausreichendem, auf die Fähigkeiten der Bewohner zugeschnittenem Platzbedarf schaffen.

Kleinteilige, überschaubare Wohnformen die sich an jahrelang erlebten Lebensumfeldern und Tätigkeiten orientieren können auch der Unruhe und dem Bewegungsdrang entgegenwirken. Hier hilft es Rundwege und Verweilzonen anzubieten, idealerweise ergänzt durch frei zugängliche Gartenbereiche mit Sinnesgärten. Sackgassen sollten vermieden werden. Sind sie jedoch aufgrund der baulichen Gegebenheiten nicht zu vermeiden sollten sie so gestaltet sein, dass den Bewohnern ein eigenständiges Umkehren ermöglicht wird, z.B. ändert ein Sessel oder Sofa zum Verweilen auch gleichzeitig die Blickrichtung und ermöglicht nach einem Moment der Ruhe ein eigenständiges Umkehren.

Bei der Gestaltung des Umfeldes ist der Verlust der Fähigkeit zur adäquaten Verarbeitung sensorischer Reize zu beachten. Optische, akustische und taktile Reize müssen wohldosiert eingesetzt werden um eine Reizüberflutung zu vermeiden. Starke Kontraste, akustische Signale und andere Abweichungen vom Gewohnten führen schnell zur Überforderung eingeschränkter Sinnesleistungen und zu Fehlinterpretationen.

Zur biologischen und therapeutischen Wirkung von Licht und Farbe auf alte und demenzkranke Menschen gibt es kaum repräsentative Studien. Licht in ausreichender Stärke und Qualität ist die Voraussetzung für die Bewältigung unterschiedlicher Sehaufgaben.  Zu berücksichtigen ist bei der Planung, zum einen die im Alter gestiegene Anforderungen an die Lichtstärke (60-jährige benötigen für die gleiche Sehleistung eine 2-3fach höhere Lichtstärke als 20-jährige) zum anderen aber auch die Tatsache, dass sich Bewohner in Heimen überwiegend in geschlossenen Räumen mit minimiertem Tageslichteinfall aufhalten. Dynamische Beleuchtung ergänzt den Tageslichteinfall in dunklen Jahreszeiten und schlecht belichteten Räumen durch tageslichtsimulierende Lichtfarben und -stärken, darf aber nicht zum Verzicht auf Tageslicht und das Angebot des Aufenthaltes im Ferien verleiten. Da Lichtstärke und Lichtfarbe auch die Stimmung des Raumes und des Wohlbefindens beeinflussen ist es sinnvoll eine Grundbeleuchtung mit einzeln zuschaltbaren Zusatzkomponenten vorzusehen.

Aus Erfahrung zeigt sich, dass nicht alle der Barrierefreiheit dienenden oder DIN 18040 gerechten Maßnahmen für jeden Menschen gleich hilfreich sind. Hier müssen durch den Planer die erforderlichen Schutzziele gemeinsam mit dem Bauherrn konkretisiert und umgesetzt werden. Mit unserem Fachwissen in diesem Bereich unterstützen wir Sie gerne.